Samstag, 31. Oktober 2009

Das Ende der Samurai in Aizu-Wakamatsu








Dienstag, 15.09.2009


Heute mache ich meine erste kleine "Alleinreise" in meinem diesjährigen Japanurlaub.

Tetsuo hat mir empfohlen, nach Aizu-Wakamatsu zu fahren, um dort die berühmte Burg und Samuraihäuser anzusehen. Für die Übernachtung hat er für mich per Internet ein Zimmer im Fujimi Ryokan in Aizu gebucht.
Zu meiner Reisevorbereitung gehört weiter ein exakt von ihm ausgearbeiteter Fahrplan für Hin- und Rückfahrt mit jeweiligen Alternativen für den Fall, dass etwas schief geht oder ich länger irgendwo verweilen möchte.

Zunächst muss ich mit dem Shinkansen fahren. Mit meinem Japan Rail Pass werde ich höflich durch die Sperren im Obergeschoss des Bahnhofs Sendai gebeten. Die Züge werden in der Lobby und auf den Bahnsteigen neben Japanisch auch in Englisch angezeigt, so dass man eigentlich nicht in den falschen Zug steigen kann.

Ich muss den Shinkansen nach Tokio nehmen und in Koriyama umsteigen. Noch bin ich nicht völlig mit dem Shinkansenbetrieb vertraut, denn offensichtlich bin ich in einen Waggon für reservierte Sitzplätze eingestiegen. Der dienstbeflissene Schaffner muss mir das am Gesicht angesehen haben, denn als einziger Fahrgast in dem nur zu einem Viertel besetzten Waggon werde ich kontrolliert und auf einen anderen Sitz verwiesen. Die Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme hat sich mir bis heute nicht erschlossen. Ich möchte aber gleich hinzufügen, dass dieser Vorfall der einzige war, in denen mir Japaner nicht mit äußerster Höflichkeit, Aufgeschlossenheit und Herzlichkeit begegnet sind.

In Koriyama muss ich umsteigen und einen Lokalzug nach Aizu-Wakamatsu nehmen. Sicherheitshalber frage ich einen der wartenden Fahrgäste: "Kono densha wa Aizu-Wakamatsu he ikimasuka?" (fährt dieser Zug nach Aizu-Wakamatsu?) und bekomme ein freundliches "hai, ikimasu" (ja, er fährt dort hin) zur Antwort.

Aizu-Wakamatsu liegt in den wunderschönen Bergen von Zentralhonshu und auf der Fahrt dorthin werden die Täler immer enger und die Berge höher. Überall sind Reisfelder als große oder keine gelbe Flächen zu erkennen. Manche Felder sind schon abgeerntet und die Reisbündel sind auf Holzböcken zum Trocknen aufgehängt. Manchmal wartet der Zug an einem Bahnhof, um den Gegenverkehr vorbeizulassen, denn die Strecke ist größtenteils einspurig. Es ist für mich immer ein kleines Wunder, wie dennoch 100% Pünktlichkeit erreicht werden kann.

Vor dem Bahnhof in Aizu stehen Busse, darunter auch Touristenbusse, die die Sehenswürdigkeiten der Stadt anfahren. Fahrpläne gibt es auch auf Englisch, was immer ein Zeichen dafür ist, dass auch ausländische Touristen den Ort besuchen. Es sind alte, ausgediente Busse, die liebevoll restauriert und mit auffälligen Farben bemalt worden sind, so dass man sie immer sofort erkennen kann.

Zuerst lasse ich mich zur Burg fahren, die Tsurugajo (Kranichburg) heisst. Das ursprüngliche Gebäude, erbaut 1384 von den Fürsten von Aizu, galt als stärkste Festung in Nordostjapan. In Aizu-Wakamatsu und um diese Burg fanden nach der von den Amerikanern erzwungenen Öffnung Japans nach 200 Jahren selbstgewählter Isolation heftige Kämpfe statt. Die Stadt war einst Zentrum der einflussreichen Matsudaira Sippe. Diese kämpfte 1868 auf Seiten des Tokugawa Shogunats gegen die kaiserlichen Meji-Truppen (in Wikipedia habe ich ein Foto von jungen Samurais aus dieser Zeit gefunden, ein sehr interessantes Dokument). Die mit Wassergräben und dicken Steinmauern gut gesicherte Burg hielt einen Monat lang den kaiserlichen Soldaten stand. Von einem nahegelegenen Hügel sahen 20 Söhne der Samurais im Alter von 14 bis 16 Jahren, genannt "weiße Tiger" (Byakkotai) die brennende Burg und dachten, die Schlacht sei verloren. Gemeinsam begingen sie rituellen "Seppuku" (http://http//de.wikipedia.org/wiki/Seppuku). Doch die Schlacht war noch nicht verloren und der Kampf dauerte an. Schließlich siegte doch die Meji Regierung und ließ die Burg 1874 niederbrennen. In Aizu-Wakamatsu wurde aber das Andenken an die getöteten Samurai immer hoch gehalten und für die Söhne auf dem Selbstmordhügel Rimoriyama ein Museum eingerichtet. Dort sind auch Gedenksteine für jeden der getöteten Jungen zu besichtigen.

Durch eine private Initiative wurde die Burg im Jahre 1965 nach alten Vorlagen und Fotografien wieder aufgebaut. Sie ist heute ein Museum. In dem weitläufigen Park ist auch ein Teehaus wiederaufgebaut worden, in dem man für wenig Geld eine Teezeremonie bekommen kann.



Zu Fuß gehe ich weiter zum Heilkräutergarten (Oyakuen), der in der Nähe liegt. Auf dem Weg dorthin komme ich an einem Blumenladen vorbei, vor dem wunderschöne Bonsai zum Verkauf stehen.




Oyakuen wurde im 17. Jahrhundert angelegt. Es ist ein typisch japanischer Garten. Es sind nur ganz wenig Besucher da, so dass man die Stille genießen und die kunstfertige Anlage bewundern kann. Nichts ist natürlich, aber nichts sieht aus wie künstlich. In dem großen Teich schwimmen riesige Kois, schwarze, goldfarbene, rote. Sie folgen den Besuchern auf ihrem Gang um den See. An einer Stelle kann man Futter kaufen. Natürlich füttere ich auch. Unglaublich, wie schnell sich hier alle Kois versammeln und ihre Mäuler aufsperren, als warteten sie darauf, dass man ihnen Futter hineinwirft. Einige Enten sind auch plötzlich da. Im Kampf um das Futter sind sie meistens schneller als die Kois.

Mit dem Bus fahre ich zurück zum Bahnhof, um mich auf die Suche nach dem Fujimi Ryokan zu machen, aber davon erzähle ich im nächsten Post.







Montag, 26. Oktober 2009

Japan Rail Pass und Shinkansen











Jetzt möchte ich Euch etwas über den Japan Rail Pass berichten.

Japan Rail, abgekürzt JR, ist die größte der japanischen Eisenbahnen. Es gibt noch einige kleinere, private Bahnen, die aber vorwiegend im regionalen Bereich fahren.
Als Ausländer kann man sich in der Heimat einen Gutschein für den Japan Rail Pass kaufen und zwar für eine, zwei oder drei Wochen. Ich habe diesmal einen für drei Wochen gekauft. Kosten: 450 €. Das erscheint viel, aber die Bahnpreise in Japan sind sehr hoch. Da ich in den 3 Wochen fast nur unterwegs war und sehr lange Strecken zurückgelegt habe, hat er sich mehr als rentiert. Allein die Fahrten von Beppu nach Sendai und Sendai nach Hokkaido wären schon teurer gewesen, als der Pass. Also eine gute Einrichtung!

Bis auf die allermodernsten und schnellsten Züge, z.B. den Nozomi, kann man mit dem JRP mit allen Zügen fahren. Natürlich und gerade mit dem Shinkansen, der in etwa mit unserem ICE vergleichbar ist.

Wenn ich über meine Erfahrungen mit der japanischen Bahn berichte, so sage ich vorweg:
Wer einmal in Japan mit dem Zug gefahren ist, möchte nie wieder Deutsche Bahn fahren!
Es fängt an mit der Pünktlichkeit. Nach den Zügen der japanischen Bahnen kann man die Uhr stellen, aber nicht den Minutenzeiger, sondern den Sekundenzeiger! In Wikipedia habe ich gelesen, dass die Pünktlichkeit der Shinkasen international konkurrenzlos ist. Alle Shinkansenzüge zusammengerechnet fahren pro Tag unter 5 Minuten Verspätung ein. Hat ein Lokführer mehr als 15 Sekunden Verspätung, muss er sich schriftlich verantworten.

Der Ticket- und Reservierungsschalter im Bahnhof von Sendai ist immer voll besetzt. Etwa 12 Angestellte kümmern sich freundlich um deine Anliegen. Nie habe ich ein mürrisches oder unfreundliches Gesicht gesehen. Selbst bei schwierigen und langwierigen Bestellungen (unser Ticketkauf und die Reservierungen für die Fahrten nach und in Hokkaido waren dafür ein typisches Beispiel) bleiben die jungen Angestellten freundlich, höflich und immer hilfsbereit. Und das habe ich überall erlebt. Man wünscht manchem deutschen Bahnbeamten mal ein einwöchiges Praktikum in Japan, um dort zu lernen, was Kundenfreundlichkeit heißt.

Der Shinkansen fährt auf einem eigenen Bahngleis, also getrennt vom Regional-, Nah- und Güterverkehr. Das Gleisbett ist häufig aufgeständert verlegt, man hat dadurch einen völlig freien Blick auf die Landschaft und die Städte, die angefahren werden. In den großen Bahnhöfen sind Schranken auf dem Bahnsteig, die erst nach Stillstand des Zuges geöffnet werden. Damit sind unbeabsichtigte Unfälle ausgeschlossen. Obwohl Japan neben Finnland die höchste Selbstmordrate in der Welt hält, werfen sich die potentiellen Selbstmörder nicht vor den Zug!

Seit der Einführung des Shinkansen im Jahre 1964 (pünktlich zu den olympischen Sommerspielen in Tokio) ist es zu keinem Unfall mit Todesfolgen gekommen und dies in einem Land, das als extrem erdbebengefährdet bekannt ist.

Zwischen Sendai und Tokio verkehrt in kurzen Abständen der Tohoku Shinkasen. Sobald der Zug im Bahnhof von Sendai eingelaufen ist, werden alle aussteigenden Passagiere von freundlichem Reinigungspersonal (meistens Frauen) mit Verbeugung begrüßt. In offen gehaltene Plastiktüten können sie ihren Müll werfen. Dann wird der Zug für wenige Minuten geschlossen, damit das Reinigungspersonal seine Arbeit aufnehmen kann. In Windeseile sind alle Sitze auf die neue Fahrtrichtung ausgerichtet. Die wartenden Fahrgäste haben sich schon vor Einfahrt des Shinkasen in einer Reihe an den Einstiegsstellen aufgestellt, die auf dem Bahnsteig markiert sind. Der Zug hält so, dass genau an diesen Stellen die Türen der Waggons sind. Es gibt beim Einstieg kein Drängeln und Rennen, alles läuft völlig entspannt und ohne Stress ab. Meint man, in einem der relativ wenigen unreservierten Waggons keinen Sitzplatz mehr zu bekommen, wartet man einfach auf den nächsten Zug und ist dann unter den ersten in der nächsten Schlange.

An Komfort ist der Shinkansen nicht zu überbieten. Die Sitze sind bequem und der Abstand zu den Vordersitzen ist größer als bei der DB. Neben den Toiletten gibt es im Waggon auch noch praktischerweise ein Pissoir. Die Türe braucht nicht verschlossen zu werden, weil man durch das Glas sehen kann, ob hier gerade jemand"beschäftigt" ist. Die Waschgelegenheiten sind offen, d.h. man kann sich auch schon mal die Hände waschen, ohne auf die Toilette gehen zu müssen. In jedes Waschbecken ist ein automatischer Seifenspender eingebaut. Die Hände werden ebenfalls über dem Waschbecken mit einem Föhn getrocknet.

Bevor der Zugführer den Waggon (alles Großraumwagen) betritt, nimmt er die Mütze ab und verbeugt sich, beim Verlassen geht er nach einer erneuten Verbeugung nach rückwärts durch die Türe. Das kann man alles für übertrieben halten, aber es spiegelt sehr viel von dem wider, was in der japanischen Gesellschaft so stark ist, nämlichen dem anderen immer mit Höflichkeit und Freundlichkeit begegnen. Mein Eindruck ist, dass sich das Personal der JR hundertprozentig mit seiner Arbeit identifizieren kann und teilnimmt am großen Erfolg des Unternehmens.

Sonntag, 25. Oktober 2009

MOA in Atami





























Samstag, 12.09.2009
















Das Frühstück ist wieder sehr reichlich und lecker. Selbstverständlich nehmen wir zuvor das obligatorische Bad.







Der freundliche Besitzer der Pension Kakinoki bringt uns zum Bahnhof und von dort aus fahren wir mit dem Lokalzug nach Atami. Atami ist eine mittelgroße, sehr lebhafte Onsenstadt auf der Halbinsel Izu.

Mit dem Bus fahren wir hinauf zum Museum of Art (MOA), auf japanisch: Bijutsukan. Es ist ein modernes Gebäude, das oben auf dem Berg liegt. Der Eingang ist aber etwa 100 m tiefer und so fährt man mit vier langen Rolltreppen hinauf. Die Farben, in denen die großen Röhren erstrahlen, wechseln ständig. Dazu hört man leise esoterische Musik. Es ist großartig und sehr eindrucksvoll. Die Fotos von dem grandiosen Aufgang hoch zum Museum habe ich nicht selbst gemacht, sondern im Internet gefunden. Aber ich habe ein Video davon gemacht, das ich hier einstellen werde, wenn ich die Software zum Bearbeiten habe.

Leider ist ein Stockwerk nicht zugänglich, weil eine neue Ausstellung vorbereitet wird, aber das, was wir betrachten können, ist sehr schön: antike Kunst aus China und Japan, eine große römische Amphore, wunderschön verziert, viele Krüge aus unterschiedlichen Epochen, Wandbilder aus der Edo-Zeit. Alles sehr großzügig und beeindruckend präsentiert.

Ich kaufe im Museumshop 3 Postkarten von japanischen Künstlern, die ich Euch hier zeigen möchte.

Zurück in der Stadt bummeln wir durch die Einkaufsstraßen. Überall sieht man Läden mit getrockneten Fisch, eine Spezialität von Atami. Tetsuo kauft Fisch für seine Familie, der vom Geschäft gleich versandfertig verpackt und zur Post gebracht wird. Welch ein Service! Natürlich kaufen wir auch Fisch für uns, denn morgen fahren wir nach Sendai.

Nach dem wieder sehr guten Frühstück verlassen wir die freundliche Pension, in der wir so herzlich aufgenommen worden sind, nicht ohne zuvor noch das obligatorische Foto zu machen.



Samstag, 24. Oktober 2009

Pension zum Kakibaum




Freitag, 11.09.2009


Von Shizuoka auf die Halbinsel Izu ist es nicht mehr sehr weit. Wir fahren mit dem Lokalzug, müssen zweimal umsteigen. Auf der Fahrt können wir manchmal den Fujisan sehen, der aber immer etwas im Dunst liegt.

In Futo, einem kleinen Ort an der Pazifikküste, wollen wir bis zum Sonntag bleiben.

Am Bahnhof werden wir vom Besitzer der Pension "Kakinoki", auf Deutsch: Kakibaum, abgeholt. Es ist nicht weit zur Pension, die in einem neuen Haus an der Straße zum Hafen liegt. Sie ist erst 2 Jahre alt. Die Besitzer kommen aus Tokio und haben sich die Pension als Alterssicherung erbaut.

Die Einrichtung ist sehr schön mit Holz getäfelt, die Zimmer sind groß und mit Tatamimatten ausgelegt. In der Pension gibt es nur 4 Gästezimmer. Jedes Zimmer hat einen Namen, der auf ein Holztäfelchen gemalt ist. Unser Zimmer heißt "Kouzu" und man hat von ihm aus einen schönen Blick über die gegenüberliegende Straßenseite hinweg auf das Meer. Es ist im typisch japanischenStil eingerichtet: Tatami Matten aus fem Boden, viel helles Holz, sehr geräumig. Schließlich muss es Platz bieten für 4 Futons.



Geht man ins Onsen, nimmt man das Täfelchen von der Wand und hängt es an die Türe zum Bad. So weiß jeder, dass das Bad besetzt ist und wer gerade badet. Es gibt 2 Onsen in der Pension, eins im Haus, das andere im Freien. Das Wasser ist sehr heiß und kommt aus einer eigenen Quelle. Im Zimmer liegt eine Wasseranlyse aus. Tetsuo erklärt mir, dass das Wasser sehr gut ist.

Der Hammer ist aber der Yuugohan am Abend: Sashimi direkt vom Meer, morgens gefangen, eine große Garneele, gekochte Zwiebeln in Tomatensauce, in Sojasauce gebratener Fisch, Gemüse aus dem Garten der Besitzer, Tempura mit Goya, einer bitterscharfen Frucht, an die ich mich erst noch gewöhnen muss, die aber dann sehr gut schmeckt, große Muschel mit wunderschönem Gehäuse (ich bekomme sie nach dem Essen für meine Enkeltöchter geschenkt). Schließlich Suppe, in der der Garneelenkopf mitgekocht wird und Reis. Am Schluss noch selbstgemachtes Eis, das alles in den Schatten stellt, was ich bisher an Eis in Japan gegessen habe.

Die Wirtin taut etwas auf und fragt woher ich komme. Ich freue mich, dass ich schon besser Japanisch reden kann. Von einer richtigen Konversation bin ich aber noch weit entfernt.

Freitag, 16. Oktober 2009

Guten Morgen Fujisan







Freitag 11.09.2009



Der Abschied von der sympathischen Besitzerin des Daikokuya mit der Reibeisenstimme fällt uns schwer. In Kannawa haben wir uns so wohl gefühlt.

Die Entscheidung, auf der Fahrt nach Norden, Richtung Sendai, in Shizuoka Station zu machen, fällt ziemlich spontan. Ich hatte beiläufig gesagt, dass ich noch nie den Fujisan in Wirklichkeit gesehen habe. Da wir sowieso auf die Halbinsel Izu fahren wollen, bot sich diese Stadt mit ihrer berühmten Aussicht auf den Fuji an.

Doch zuerst müssen wir nach Oita fahen, weil in Beppu mein Japan Rail Pass nicht aktiviert werden kann. Dann fahren wir mit dem Shinkansen, dem berühmten superschnellen Zug. Die Fahrt dauert 7 Stunden. Wir unterqueren das Meer zwischen den Inseln Kyushu und Honshu im Tunnel. Von der schönen Landschaft, die sich uns auf Honshu zeigt, bekomme ich nicht allzuviel mit, da ich meistens schlafe.

Quartier für heute ist das Nippondaira Hotel, weit oben auf dem Berg, mit herrlichem Blick auf die Stadt und den Fujisan. Die Zimmer mit Sicht auf den Fujisan sind teurer, aber das hindert uns nicht, weil das ja gerade der Anlass dafür ist, hier Station zu machen.

Der Fujisan ist der heilige Berg der Japaner und viele pilgern im Laufe ihres Lebens wenigstens einmal auf seinen Gipfel. Es ist ein noch aktiver Vulkan, allerdings schon sehr lange untätig und uns allen aus hunderten von gemalten oder fotografierten Ansichten bekannt. In der westlichen Welt ist er als Fujiyama (Fujiberg) bekannt, die Japaner nennen ihn aber Fujisan und dieser Sprachregelung schliessen wir uns an. Es ist Japans höchster Berg und mit 3776 m deutlich höher als die Zugspitze. Bis auf die Sommermonate trägt er die charakteristische Schneehaube über dem Gipfel.

Doch heute will er sich uns nicht zeigen. Die Bucht über Shizuoka ist dunstig und nur ganz vage kann man hoch in den Wolken den Fujisan sehen.

Am nächsten Morgen ist die Sicht auf ihn besser und er erhebt sich majestätisch über die Wolken. Der Anblick ist faszinierend.

Auf den Fotos seht Ihr ihn ganz oben von mir fotografiert. Darunter sind Postkartenansichten, die uns im Hotel geschenkt wurden. Wie ihr seht, auch nachts ein erhebender Anblick.






Donnerstag, 15. Oktober 2009

Teezeremonie und warum ich doch keinen Fugu aß
















Usuki ist ein alter hübscher Ort.

Zurück im Ort machen wir einen Spaziergang durch die alten Straßen und Gassen. In der Hacho Oji, einer kleinen Einkaufsstraße, reiht sich Laden an Laden. Im ältesten Geschäft Japans für Sojasaucen essen wir leckeres Eis und schauen dem Inhaber beim Packen von Paketen zu. Sein Geschäft muss einen guten Ruf haben, denn der junge Mann, der wenig später mit dem Auto kommt, um die Pakete abzuholen, hat einiges zu tun. Vor vielen Geschäften liegen Plastiktüten voll mit Kabosu (kleine grüne Limetten), eine Spezialität der Region.

Durch enge Gassen und vorbei an Tempeln geht es eine Anhöhe hoch. Oben wurde ein ehemaliges Samuraihaus in ein Teehaus umgewandelt. Die Besitzerin hat den Raum, in dem wir unsere Teezeremonie genießen, mit hübschen Kunstgegenständen eingerichtet. Der Machatee und die dazu gereichte Süßigkeit sind von edler Qualität. Wir kommen mit der Frau ins Gespräch und sie zeigt uns den von ihrem Mann liebevoll gepflegten Garten, von dem aus man einen sehr schönen Blick hinunter in die Stadt hat.

Unser Spaziergang führt uns wieder hinunter. In der historischen Nioza Gasse scheint das alte Japan wieder auferstanden zu sein. Tetsuo erzählt mir, dass die Gasse oft als romantische Kulisse für Soaps und Liebesfilme dient.

Bis zur Meji Restauration in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde die Region von der Familie Inaba beherrscht. Das ehemalige Wohnhaus der Familie mit 3500 qm Gartengrundstück ist heute offen zugänglich. Beim Durchschreiten des Hauses, das nach allen Seiten geöffnet und dessen Innenräume durch Schiebetüren vergrößert oder verkleinert werden können, kann man sich das Leben in früheren Zeiten gut vorstellen.


Inzwischen ist es dunkel geworden und der Magen meldet sich. Von Tetsuo erfahre ich, dass man in Usuki sehr preiswert guten Fugu essen kann. Es gibt schon für 3000 YEN (etwa 21 €) Fugugerichte. Doch ich zögere. Zwar weiß ich, dass Fugu nur von Köchen mit einer besonderen Lizenz für diesen Fisch zubereitet werden darf, doch fehlt mir in diesem Augenblick das volle Vetrauen. Später habe ich es bereut, dass ich zu zaghaft war. Nun denn, ein weiterer Grund, um wieder nach Japan zurückzukehren.


Wir entscheiden uns für herkömmliche Kost und essen in einem der typischen alten japanischen Restaurants am niederen Tisch. Es ist für mich immer ein Problem, meine alten Knochen in die richtige Lage zu bekommen und ich bewundere die Japaner, vor allem die älteren, wie leicht sie sich aus der Stehposition in den Schneidersitz begeben und vor allem daraus wieder aufstehen.


Die Hähnchenkeule, aufgeschnitten und entbeint, mit diversen Gemüsen, schmeckt gut. Dazu einen halben Liter guten japanischen Biers, denn die langen Spaziergänge in der Hitze haben durstig gemacht.
Müde, aber voll mit schönen Eindrücken fahren wir nach Beppu zurück.











Dienstag, 13. Oktober 2009

Usuki und die steinernen Buddhas




Nachdem ich den Jetlag gut überstanden und mein Schlafdefizit wieder aufgeholt habe, fahre ich mit der Berichterstattung über meine vielen Reisen fort. Da ich während meines Japanaufenthaltes auch ein ausführliches handschriftliches Tagebuch geführt habe, greife ich jetzt darauf zurück.


Donnerstag, 10.09.2009

Unser Frühstück im "Daikokuya" findet wie immer im Freien statt und die Zutaten, wie Würstchen und Eier, werden im Dampf gekocht.

Wir wollen heute die Seki-Butsu-Statuen (Steinbuddhas) in Usuki, einem kleinen Ort südlich und unweit von Beppu, besuchen.

In meinem Vis-À-Vis Reiseführer ist den Steinbuddhas eine halbe Spalte gewidmet und das ist gut so, sonst wäre der Ort wahrscheinlich von Touristen überströmt.

Mit dem Lokalzug sind wir bald in Usuki. Es ist sehr heiß und das erstemal leide ich unter der Hitze. Oder sind es die Nachwehen des Jetlags?

Mit dem Bus fahren wir hinaus zu den Buddhas, die außerhalb des Ortes in die Felsen gehauen sind. Niemand weiß, wer sie erschaffen und wer sie in Auftrag gegeben hat. Sie werden auf die späte Heian- und frühe Kamakura-Periode datiert, das heißt, sie sind etwa 800 bis 900 Jahre alt. Die Statuen haben Kriege und viele Erdbeben überstanden und sind in den letzten Jahren fachgerecht restauriert worden, wie man den großen Informationstafeln entnehmen kann.

An verschiedenen Stellen und auf unterschiedlicher Höhe, in einem Bambus- und Mischwald, blicken die Buddhas seit Jahrhunderten auf die Menschen, die staunend vor ihnen stehen. Es sind kaum Besucher da und die friedliche Ruhe, die hier herrscht, nur unterbrochen vom Zwitschern der Vögel und dem quietschenden Geräusch der durch den Wind sich aneinanderreibenden Bambusstangen, erfasst uns. Mit unseren Gedanken beschäftigt, gehen wir die Treppen und Wege wieder hinab ins moderne Japan.